Sonja (47), erste Partnerin eines langjährigen ABs: „Gerade seine Zurückhaltung gefiel mir so gut“

Ich bin Sonja und 47 Jahre alt. Ich habe meinen heutigen Freund, 46 Jahre alt, im Sommer 2015 im Zuge meines Hausumbaus kennengelernt. Denn er war einer der Handwerker. Ich hatte gerade eine für mich sehr traumatische Beziehung und Trennung hinter mir. Von daher war ich nicht wirklich an einer Beziehung interessiert. Aber dieser Handwerker wirkte dennoch irgendwie sehr anziehend auf mich. Dieser Handwerker gefiel mir gerade deswegen so gut, weil er so zurückhaltend war und überhaupt nicht aufdringlich. Optisch hat er mich natürlich auch in seinen Bann gezogen. Aber seine immer freundliche und zurückhaltende Art war genau das, was mir an ihm so gut gefiel. Ich habe relativ schnell vermutet, dass er wahrscheinlich noch keinerlei Beziehungen hatte. Dies schreckte mich aber überhaupt nicht ab. Manchmal ist das Leben so, dass sich einfach nichts ergibt. Davon bin ich fest überzeugt. Gerade dann, wenn man kein so wahnsinnig großes Selbstwertgefühl hat oder früh Zurückweisungen erlebt und schlechte Erfahrungen gemacht hat.Dann reichen ja schon kleinste Zurückweisungen und man traut sich nicht mehr.

Ich konnte mir in dem Moment auch vorstellen, dass jemand, der spät anfängt, sich irgendwann auch nicht mehr traut, diesen Schritt zu gehen. Aus diesem Grund dachte ich, ich muss einfach nur nett zu ihm sein, damit er mir vertraut und sich traut. Ich muss ihm einfach nur zeigen, dass mir sein (mangelnder) Erfahrungsschatz in dem Gebiet völlig egal ist. Wenn ich ehrlich bin, ist mir so etwas tausendprozentig lieber als jemand, der alles nimmt, was nicht bei drei auf dem Baum ist! Ich bin fest überzeugt davon, das gerade „ältere“ Frauen so etwas ebenfalls mehr zu schätzen wissen! Ich bin natürlich nicht weggegangen oder habe mich abgewendet als für mich immer deutlicher wurde, dass er wohl wirklich keine Beziehung hatte, weil mir einfach sein Charakter so gut gefiel. Ich hatte genug Männer in meinem Umfeld, die vielleicht interessiert waren an mir oder an Sexualität mit mir. Aber gefühlt war niemand dabei, der mich so mochte, wie ich gerade war, der um meiner selbst willen etwas mit mir unternommen hat oder mich um meiner selbst willen mochte. Der so entspannt war wie er.

Ich schätze an meinem heutigen Freund sehr, dass er mich damals nicht bedrängt hat im Gegensatz zu vielen anderen. Dass die Ursache in seiner Zurückhaltung dadurch begründet war, dass er gar keine Beziehung wollte, wusste ich da natürlich noch nicht. Als für mich immer klarer wurde, dass ich mehr für ihn empfinde und auch mehr von ihm möchte, hatte ich sehr damit zu kämpfen, dass er diesen Bereich absolut ablehnte. Er sagte, er sei mit diesem Thema durch. Das war für mich unfassbar. Ich wollte ihn aber auf gar keinen Fall loslassen. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich eine Kämpfernatur bin. Also habe ich es immer weiter versucht. 2 Jahre hatten wir nur sehr sehr selten Kontakt. Dann folgte ein Jahr mit vermehrten freundschaftlichen Kontakten. Es machte mich fertig, dass er keine Beziehung wollte. Im Sommer 2019 versuchte ich noch mal, ihn zu küssen. Diesmal wehrte er sich nicht. Seitdem sind wir zusammen. Irgendwann sagte er mir einmal, dass er von Anfang an so ablehnend war, weil er Angst hatte, Gefühle zu entwickeln und am Ende wird es doch keine Beziehung. Ich bin froh, dass er sich irgendwann doch noch mal getraut hat!

Ich denke schon, es gibt Unterschiede, ob ein Mann oder eine Frau ein AB ist. Ich könnte mir aber vorstellen, das Männer ABinen gerne an die Sexualität heranführen und sie glücklich sind, der erste sein zu dürfen. Sie müssen es nur wissen, dass es das erste Mal für die Frau ist. Dann werden sie einfühlsam sein. Wenn der Mann ein AB ist, glaube ich, dass die Emotionalität der Frau dabei hilft, Verständnis für die Unerfahrenheit des Mannes in diesem Gebiet aufzubringen. Es ist also meines Erachtens nicht richtig, was ja viele ABs glauben, dass Frauen grundsätzlich nur Männer wollen, die im Bett wissen, was zu tun ist. Es ist sehr schön, sich zu entdecken. Und auch, wenn man schon mehrere Beziehungen hatte, einen neuen Partner muss man immer neu entdecken. Von daher ist jeder bei einer neuen Beziehung, ein AB.

Wie bei allen Charaktereigenschaften wird es auch hier sowohl Männer als auch Frauen geben, die Reißaus nehmen, wenn sie hören, dass der jeweils andere keinerlei Erfahrung mit Beziehung und Sexualität hat. Aber solche Menschen gibt es immer! Es gibt Männer, die Reißaus nehmen, wenn sie erfahren, dass die Frau ein Pferd besitzt. Es gibt Frauen, die Reißaus nehmen, wenn sie erfahren, dass der Mann Fußball spielt. Und genauso ist es mit Unerfahrenheit, egal in welchem Bereich. Von daher appelliere ich an euch alle, in was auch immer ihr Beginner seid, traut euch! Es lohnt sich! Und wenn jemand ein Problem mit einer Eigenschaft von euch hat, ist er sowieso nicht der Richtige oder die Richtige! Ich persönlich finde es nur total wichtig, dass man offen über die eigenen Ängste und Sorgen spricht. Das nimmt von allem den Schrecken, wie ich finde. Natürlich muss man nicht beim ersten Date sagen, dass man von morgens bis abends Fußball spielt oder eigentlich nur im Pferdestall unterwegs ist. Erstmal finde ich muss man feststellen, ob man sich sympathisch findet, und Vertrauen fassen. Man darf nicht gleich mit Ausschlusskriterien starten, dann verpasst man viele Erfahrungen und viele Möglichkeiten.

Ich habe viel mehr Verständnis für meinen Freund, wenn er mir sagt, wo er sich unsicher fühlt oder unwohl fühlt oder ängstlich ist. Wenn er mir sagt, dass der noch nicht soweit ist, dass ich ihn berühren kann. Warum sollen immer nur Frauen sagen dürfen, dass sie noch nicht soweit sind? Und ich finde wichtig, dass man sich für Erfahrungen öffnet. Niemand muss etwas können, wenn er es noch nicht gemacht hat. Aber es ist wichtig, wenn man etwas anfangen möchte, lernwillig zu sein. Sich anleiten zu lassen, sich selbst ein bisschen zu informieren. So ist man doch auch unterwegs, wenn man eine Sportart lernen möchte, oder?

ALS REAKTION AUF DIE KOMMENTARE VON „MAX MUSTERMANN“ HAT SONJA IHRE GESCHICHTE ERGÄNZT:

Hallo Max , Ich gebe zu, das Ganze hört sich unrealistisch an. Und du hast total recht! Ich bin meinem heutigen Freund 3 Jahre hinterher gelaufen! Aber glaube ja nicht, dass ich das nicht auch immer mal wieder in Frage gestellt habe! Ich habe mich immer wieder zwischenzeitlich gefragt, ob das der richtige Weg ist. Ob ich mich wirklich in diesem Sinne weiter so anbiedern möchte. Aber so wie du eine gewisse Lebenserfahrung gemacht hast, habe auch ich welche gemacht. Natürlich hätte es sein können, dass das Ganze völlig vergeblich bleibt. Aber ich habe mich dazu motiviert, weil ich ihn unbedingt wollte. Und wenn zwei sich gegenüberstehen und sich beide nicht trauen, kann ja nichts draus werden. Ich habe gelernt in meinem Leben, dass ich für das kämpfen werde, was ich haben möchte. Und das habe ich in diesem Fall in einem für mich gerade noch vertretbaren Rahmen gemacht.

Ich frage mich immer, egal bei welchem Thema, habe ich wirklich alles gemacht, um mein Ziel zu erreichen. Kann ich mit einem Gefühl, dass ich wirklich alles gemacht habe, mich im Spiegel angucken und sagen, dass ich jetzt aufhöre zu kämpfen, weil ich alles getan habe, ohne Erfolg zu haben? Aber das ist allein meine persönliche Lebenseinstellung. Die ist für mich richtig, muss aber nicht für jeden richtig sein!

Und nur, weil du persönlich es für völlig unrealistisch hältst, mit über 40 noch eine Liebesbeziehung anzufangen, muss es nicht der Realität entsprechen, dass es wirklich unrealistisch ist. Die Frage ist doch, wie sehr möchtest du heute noch eine Liebesbeziehung? Wenn du eine möchtest, wirst du eine finden. Wenn du es von vornherein für dich ausschließt, wirst du auch keine finden. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Unerfahrenheit in Beziehungsdingen und Sex nicht grundsätzlich ein Ausschlusskriterium ist. Eher negative Einstellungen, dass etwas sowieso nichts wird und dass der andere dich sowieso nicht mag. An solch negativen Einstellungen scheitert jeder Beziehungsversuch. Aber das sind jeweils einfach unsere persönlichen Meinungen. Dies ist eben meine Überzeugung. Du hast halt eine andere.

Ich habe nach einigen nicht so tollen Erfahrungen mit Männern durchaus das Potenzial, vergrämt in die Zukunft zu schauen und wütend zu sein und das Leben oder die Menschheit zu verteufeln. Und sicherlich habe ich auch den einen oder anderen Monat so verbracht. Aber in Summe ist es so, dass mir persönlich das Leben zu kurz ist, um mit solchen negativen Gedanken durchs Leben zu gehen. Ich bin ein positiv denkender Mensch, und ich möchte mit einem Lächeln durchs Leben gehen. Natürlich gelingt das nicht täglich! Aber ich arbeite daran, jeden Tag, dass ich glücklich bin. Vielleicht hilft Dir das, ein bisschen motiviert in die Zukunft zu schauen.

Vielleicht macht ich das nur noch wütender als du sowieso schon warst. Dann tut mir das sehr leid. Ich wollte Dir nur sagen, dass Menschen durchaus unterschiedlich mit gemachten Erfahrungen umgehen. Und am Ende kann man nicht seine Umgebung ändern sondern nur sich selbst und seine Einstellungen. Und dann möchte ich noch etwas zu meinem Beispiel mit den Hobbys sagen. Das war einfach nur ein Synonym. Das sollte dafür stehen, dass es viele Ausschlusskriterien gibt, warum man mit jemanden keine Beziehung möchte. Ich wollte einfach nur verdeutlichen, dass es Menschen gibt, für die Erfahrungslosigkeit in  Beziehungs- und Sexdingen ein Ausschlusskriterium ist, wie es Menschen gibt, für die der Besitz eines Pferdes oder das Spielen von Fußball oder meinetwegen auch Rauchen ein Ausschlusskriterium ist. Mehr nicht. Es gibt einfach Dinge, die man in seinem Leben nicht möchte. Diese sind aber total vielfältig und persönlichkeitsabhängig! Wenn mein heutiger Freund ein Raucher gewesen wäre, wäre das für mich ein Ausschlusskriterium gewesen. Nicht aber seine Beziehungslosigkeit.

Wie gesagt, ich kann es total verstehen, wenn man noch keine Beziehungserfahrung hat, überall im Leben einem aber Sexualität begegnet, dass man sich dann komisch fühlt. Und dass ich dieses Thema im eigenen Kopf immer mehr aufbauscht. Ich glaube allerdingsd dass das überhaupt nicht das entscheidende Kriterium ist. Aber wie gesagt, das ist meine Einstellung. Vielleicht habt ihr ganz andere Erfahrung gemacht. Alles Liebe Sonja

18 Gedanken zu „Sonja (47), erste Partnerin eines langjährigen ABs: „Gerade seine Zurückhaltung gefiel mir so gut“

  1. Zuya Hiyaye sagt:

    Sehr schön, dass es hier weiter geht mit dem Thema. Zwei neue Beiträge innerhalb eines Monats. Und Glückwunsch, dass es bei euch beiden dann doch noch gefunkt hat.
    Danke auch, dass der Beitrag so völlig frei ist von gut gemeinten (schlechten) Ratschlägen.
    Die Ursachen für das Beziehungslos bleiben sind genauso vielfältig wie die Ursachen für Arbeitslosigkeit. Und nur sehr oberflächliche Ratgeber behaupten dann, dass es bei all den Ursachen ja wohl seine (guten) Gründe hat, warum es ausgerechnet dich trifft. Denn genauso vielfältig wie die Gründe, so häufig sind dann auch die Vorurteile.
    Und ja, den Schlussstrich gezogen habe ich in meinem mittlerweile sechzigjährigen Leben schon mehrmals. So wie jetzt auch aktuell. Neben der völligen Ratlosigkeit am Anfang, addieren sich pubertäre Vorstellungen, dass man ja doch vielleicht zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, zu hoch, zu flach, zu rot, zu schwarz, zu blond zu braun wäre und jeder Rat in der Richtung, man solle sich selbst in Frage stellen ein Sargnagel im Leben zu viel sein kann.
    Eines sollten AB’s aber ganz gewiss nicht tun. Am Leben an und für sich zweifeln. Es ist auch als AB lebenswert. Und im besten Opa-alter habe ich mir ein kindliches Herz bewahrt. Und eines lasse ich mir ganz gewiss nicht nehmen. Dass es schlägt.

    Zuya Hiyaye

    • Maja Roedenbeck Schäfer sagt:

      Hallo Zuya, dein letzter Absatz rührt mich fast zu Tränen… Wenn du dazu beitragen möchtest, dass dieser Blog lebendig bleibt, freue ich mich, wenn du auch einen Gastbeitrag schreibst (bitte mailen an redaktion[at]maja-roedenbeck.de) und deine Geschichte erzählst! Wir haben auch noch nicht die Perspektive eines älteren ABs. Wir haben schwule ABs, Partner bzw. Dating-Partner von ABs verschiedensten Alters. Aber du könntest erzählen, wie sich die Einstellung in verschiedenen Lebensphasen verändert. Ich würde mich sehr freuen, Maja

      • Zuya Hiyaye sagt:

        Hallo Maja,
        meine Perspektive hast du schon.
        Als (Pseudonym) Norbert in deinem Buch.
        Ich bin jetzt eben -wie soll ich es ausdrücken-, -kommt in den besten Familien vor-, -nun ja-, älter geworden. 😉
        Ich geb’s zu. Selbstverschuldet!

        „Zuya Hiyaye“ ist allerdings auch ein Pseudonym unter dem ich meine Musik auf Soundcloud veröffentliche.

        • Maja Roedenbeck Schäfer sagt:

          Ooooooh! Hallo! Lustiges digitales Wiedersehen 🙂 Naja, ich bin auch ein bisschen älter jetzt 😉

    • Max Mustermann sagt:

      Freut mich, dass du noch so zuversichtlich sein kannst.
      Ich habe für mich erkannt, dass es sich angesichts der wenigen Freuden kaum lohnt, die Mühen des Lebens auf sich zu nehmen.

    • Simone sagt:

      Hallo, ich finde sehr schön, was du schreibst! Und ich finde es großartig, dass du dir Lebensmut nicht verloren hast! Und es ist schön, dass du positiv denkst. Es gibt viele Erlebnisse, die einen verzweifeln lassen können. Und das ist ganz sicher nicht aufs AbB sein beschränkt! Dann muss ich immer wieder selber an den eigenen Haaren aus dem Dreck ziehen. Weiter so!

  2. Max Mustermann sagt:

    Nette Geschichte!
    Ich möchte aber nicht verabsäumen, darauf hinzuweisen, dass es ähnlich vermessen ist, auf sechs Richtige im Lotto zu hoffen, als auf eine Liebesbeziehung als über 40-jähriger AB.

    • Max Mustermann sagt:

      Hinweis: DIESEN KOMMENTAR HABE ICH BEARBEITET, DA ER IN EINEM TON VERFASST WAR, DEN ICH IN MEINEM BLOG NICHT UNTERSTÜTZE. LG, Maja

      Bei erneutem Lesen erscheint mir diese Geschichte absurd. Eine Frau, die einem über 40-jährigen AB nachläuft und selbst dann nicht locker lässt, als er sich geradezu mit Händen und Füßen gegen eine Beziehung wehrt!

      Zitat: „Wie bei allen Charaktereigenschaften wird es auch hier sowohl Männer als auch Frauen geben, die Reißaus nehmen, wenn sie hören, dass der jeweils andere keinerlei Erfahrung mit Beziehung und Sexualität hat. Aber solche Menschen gibt es immer! Es gibt Männer, die Reißaus nehmen, wenn sie erfahren, dass die Frau ein Pferd besitzt. Es gibt Frauen, die Reißaus nehmen, wenn sie erfahren, dass der Mann Fußball spielt. Und genauso ist es mit Unerfahrenheit, egal in welchem Bereich.“

      Diesen Vergleich kann ich nicht nachvollziehen. Jeder hat ein Hobby und stellt sich darauf ein, dass auch der potenzielle Partner eines hat, aber nichts wiegt derart schwer wie Unerfahrenheit in Beziehungsfragen!

      Ich stelle die die Echtheit dieser Geschichte infrage, weil ich sie für realitätsfern halte. In mir als männlichem AB entsteht das Gefühl, dass mir falsche Hoffnungen gemacht werden.

    • Simone sagt:

      Hallo Max,findest Du? Ich finde,hoffen darf man immer:-) Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt:-)

  3. Maja Roedenbeck Schäfer sagt:

    Lieber Max Mustermann, wie oben geschrieben habe ich deinen Kommentar bearbeitet. Nur weil du als AB im Leben enttäuscht wurdest, was mir wirklich sehr leid tut, ist das kein Grund, auf einer Frau herumzuhacken, die eine Beziehung mit einem AB ausprobiert, und dann auch noch so mutig ist, davon in meinem Blog zu erzählen. Das führt wirklich nicht weiter. Maja

    • Max Mustermann sagt:

      Mit der Bitte, mir nicht das Wort im Mund zu verdrehen:

      Der letzte geänderte Absatz entspricht NICHT den Tatsachen. ICH persönlich habe jegliche Hoffnungen begraben, ich habe niemals behauptet, MIR seien mit dieser Geschichte falsche Hoffnungen gemacht worden, ich habe allgemein von (männlichen) ABs geschrieben.
      Ich halte es für sehr wichtig, eine realistische Sicht zu bewahren und andere, die dies lesen, darauf hinzuweisen, wie unwahrscheinlich es ist, in fortgeschrittenem Alter ohne Beziehungserfahrung noch eine Partnerschaft eingehen zu können.

  4. Max Mustermann sagt:

    Hallo Sonja,

    danke für die umfassende Ergänzung.
    Ich schätze, etwa 99,9 % der Frauen denken nicht so wie du. Deshalb habe ich auch den Vergleich mit dem Lottospiel angeführt.
    Vor Jahren habe ich diverse AB-Foren verfolgt, da waren Mitglieder darunter, die wirklich alles versucht haben (und das über viele Jahre), eine Partnerin zu finden, von geselligen Runden im Freundeskreis über Kontaktanzeigen, über Partnerbörsen bis hin zu Coachings – viel Geld investiert, alles zwecklos! Die wenigen Erfolgsgeschichten, meistens ohnehin nur zarte Annäherungen, konnte man quasi an einer Hand abzählen. Die potenziellen Partnerinnen hatten so gut wie immer reißaus genommen, als ruchbar wurde, dass keinerlei Beziehungserfahrung vorlag. Da braucht es schon eine gehörige masochistische Veranlagung, um es unter diesen Umständen trotzdem noch weiter zu versuchen. Selbstgeißelung liegt mir nicht, ich gebe es offen zu.

    Drei Jahre hast du es also versucht, bis er „angebissen“ hat – Respekt für dieses Durchhaltevermögen, aber das klingt für mich sehr nach einem „Projekt“, das abgehakt werden wollte. Ich weiß nicht, wie vereinnahmt und bedrängt sich dein Freund in dieser Phase gefühlt hat.

    Du meinst auch, wenn ich eine Liebesbeziehung wollte, würde ich eine finden. Dazu ist zu sagen, dass Wollen alleine noch niemals genützt hat, etwas zu erreichen. Wie viele chronisch Kranke wollen nichts so sehr wie gesund zu werden? Wie oft erleidet man Rückschläge, obwohl der Wille vorhanden war und man sich verausgabt hat, um ein Ziel zu erreichen, aber trotzdem jemand anderer immer noch besser war. Man muss zur rechten Zeit am rechten Ort der Beste sein.
    Im Falle von Liebesbeziehungen muss man gewisse soziale Fähigkeiten eben innerhalb eines begrenzten Zeitfensters lernen, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit rapide, noch eine Beziehung eingehen zu können. Es ist in gewisser Hinsicht mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes zu vergleichen. Beginnt man erst nach der Pubertät damit, kommt in der Regel nicht mehr als unbeholfenes Gestolper heraus, die technischen Fertigkeiten müssen bereits in der Kindheit aufgebaut werden, um das Instrument sicher beherrschen zu können. Das lässt sich im Erwachsenenalter nicht mehr nachholen.

    Nein, ich denke nicht, dass mich niemand mag, aber es gibt doch einen deutlichen Unterschied zwischen Freundschaft und einer Liebesbeziehung, und in dieser Hinsicht hat sich noch nie etwas auch nur annähernd in diese Richtung entwickelt.

    Ich habe eine realistische Sicht auf die Dinge; positiv in die Zukunft blicken kann ich deshalb nicht, allein schon aufgrund der sich abzeichnenden gesellschaftspolitischen Verwerfungen.

    Gruß, Max

  5. Maja Roedenbeck Schäfer sagt:

    Hallo Max, Sonja und ich haben beschlossen, die öffentliche Diskussion hier zu beenden. Wenn du ihr noch etwas schreiben möchtest, dann gerne an mich redaktion (at) maja-roedenbeck.de. Ich leite es dann weiter. LG, Maja

  6. Zuya Hiyaye sagt:

    Ich habe die Diskussion von Max, Simone und Sonja mit großem Interesse verfolgt.
    Vorweg schicken möchte ich aber, dass ein Lied von Ulla Meinecke „Nie wieder“ mein Gefühl dazu am besten ausdrückt.
    In einem AB-Forum wäre Max wahrscheinlich wegen vorgeblicher Frauenfeindlichkeit gesperrt worden, was mich die Flucht aus den AB-Foren hat antreten lassen.
    Für mich ist dieses ambivalente Verhältnis zu Frauen ein tragendes Element eines männlichen AB’s.
    Wir hassen die Frauen nicht. Wir haben sie aber leider immer nur zurückweisend erlebt und irgendwann einmal jede Hoffnung verloren.
    Zu Max Lottogewinn muss ich aber sagen, dass ich nach fünfzig zwar keinen Sechser im Lotto hatte -hätte ich gerne-, aber immerhin eine Beziehung. Und das sogar dreimal.
    Nur für eine dauerhafte Beziehung hat es dann doch nicht gereicht und ich habe von mir aus nun den Schlussstrich gezogen. Ich war zu lange allein, als dass eine Frau dauerhaft noch in mein Leben passt.
    Robin Sprenger -war auch irgendwann einmal in diesem Block- hat herausgestellt, dass es einen Unterschied gibt, zwischen jemandem der Single ist und jemandem, der noch nie eine Beziehung hatte. Der Unterschied mag von außen marginal sein. Aber es ist ein Unterschied, ob man erlebt hat, dass die Wand vor die man jahrzehntelang gerannt ist auf einmal ein offenes Scheunentor hat oder ob man sich immer noch eine blutige Nase holt und sich schwört „Nie wieder,-“ „-bis zum nächsten Mal“
    Klar können dann alle, die den AB’s Hoffnungen machen, behaupten sie hätten Recht. Haben sie ja auch. Aber es schmerzt, dass ausgerechnet das Geschlecht, von dem man über Jahrzehnte hinweg nur Zurückweisung erfahren hat, aus einer Art Besserwisserei Hoffnung macht. Hypothese trifft da auf erlebte Realität.
    Ulla Meinecke hat als lesbische Frau selber Zurückweisung von Frauen erlebt und ist selber Frau.
    Besser kann man es nicht zum Ausdruck bringen.
    Ich finde es schade, dass diese Ambivalenz, die wir männlichen AB’s durchleben müssen, für manche Frauen so unerträglich ist, dass sie regelmäßig zu Sperrungen der User in den AB-Foren führt.
    Da möchte ich euch für eure Geduld danken.
    Ich fand die Diskussion bereichernd.

    Zuya

    • Max Mustermann sagt:

      Wo meinst du herauslesen zu können, dass ich frauenfeindlich bin?
      In einem AB-Forum war ich tatsächlich auch aktiv tätig und habe ausführlich über meine Geschichte berichtet; weder hat man mich jemals verwarnt noch gesperrt.

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