Christian (33), Jurist: Wie ich ein Ex-AB wurde (und jemand anders auch)

Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich hier im Blog meine Geschichte als schwuler Absolute Beginner veröffentlicht und mit mehreren engen Freunden geteilt. Einer davon arbeitete in einer Zeitschriftenredaktion und so kam es, dass ich im November 2016 Deutschlands größter Schwulenzeitschrift ein Interview gegeben habe (wobei der mich befragende Redakteur mein Problem wohl nicht verstanden hat). Meine Geschichte war plötzlich nachzulesen. Ich habe abgewartet, ob irgend etwas passiert. Ob vielleicht die Medien das Thema aufnehmen, ich zufällig meinen Traummann kennenlerne oder ich einfach eines Tages aufwache und kein AB mehr bin. Und irgendwie versucht, mein Leben weiterzuleben.

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Neuer Videobeitrag über Absolute Beginners im ZDF: Jan, 40: „Am meisten leide ich Weihnachten“

Die Sendung „Volle Kanne“ im ZDF hat sich mit dem Thema Absolute Beginners auseinander gesetzt. Schaut euch das mal an, wie findet ihr den Beitrag (Per Klick wird das Video bei Facebook gestartet)?

Insgesamt nimmt der Beitrag die Betroffenen ernst, das ist gut. Aber mich stört die belustigt-naive Stimme der Sprecherin, die über Absolute Beginners redet, als würde sie irgendeine Anekdote erzählen. Es sind auch ein paar seltsame Aussagen im Beitrag drin: Weiterlesen

Hugo, 40, in der Psychiatrie tätig: „Erfülltes Leben wäre zu hoch gegriffen“

Unerfahrenheit wird schnell gleichgesetzt mit Einsamkeit. Dabei muss ein Unerfahrener nicht zwangsläufig einsam sein. Ich bin nicht einsam. Ich habe unerfüllte Sehnsüchte. Und ich will natürlich auch nicht behaupten, dass ich es schön finde, der einzige zu sein, der nach einem lustigen Abend mit Freunden allein nach Hause geht, während sich alle anderen zu zweit auf den Weg machen. Aber das lässt mich nicht verzweifeln. Nicht mehr.

Umgekehrt spreche ich auch nicht gern von einem „erfüllten“ Leben, das ist mir dann doch zu hoch gegriffen. Ich führe ein Leben, mit dem ich zufrieden sein kann. Ein Leben mit einem stabilen Freundeskreis, der viel auffängt und in dem ich ein wichtiger Bestandteil bin. In dem meine Unerfahrenheit kein Thema ist, außer wenn ich doch mal mit einer Frau gesehen werde. Dann gibt es immer ein großes Geplapper. Aber sonst: Wenn ich allein komme, komme ich eben allein. Wir kochen zusammen oder spielen Gesellschaftsspiele, einige meiner Freunde kenne ich auch aus dem „Weltladen“, wo wir mit 30 Leuten völlig unterschiedlichen Alters ehrenamtlich fair gehandelte Produkte verkaufen. Ich vergrabe mich nicht zu Hause, ich komme unter Leute und lerne auch immer mal wieder neue kennen, Bekannte von Freunden, Freunde von Bekannten, nur eine Frau für mich war bisher noch nicht dabei.

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Christian (30), Jurist: Ein schwuler AB erzählt

Das Internet kennt inzwischen etliche Geschichten von Absolute Beginners jeden Alters und aus allen Berufen und Gesellschaftsschichten. Nur eine Gruppe kommt irgendwie nicht vor: die Schwulen. Woran liegt das? Bin ich der einzige schwule AB? Habe ich doppelt was falsch gemacht? Ist meine Geschichte so einzigartig? Bei uns Schwulen kommt zum Thema Beziehung ja immer noch das Thema Coming Out dazu. Wir müssen nicht nur irgendwann irgendwo anfangen, sondern uns auch vorher klarmachen, dass wir das nicht dort können, wo es die große Mehrheit tut. Ist diese Situation nicht geradezu geschaffen dafür, den Anschluss zu verlieren? Eben dazu hätte ich gerne etwas gelesen, mich mit Leidensgenossen verglichen und ausgetauscht. Aber ich habe keine gefunden. Vielleicht traut sich keiner. Vielleicht muss jemand den Startschuss machen. Ich hoffe, die Hetero-Leser verzeihen mir, wenn sie sich nur teilweise in meiner Geschichte wiederfinden können –  das ging mir umgekehrt natürlich auch so, wenn ich ihre Geschichten gelesen habe.  Ich danke Maja Roedenbeck, die mich eingeladen hat, meine eigene Geschichte zu erzählen. Das ist sie.

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Lara (28), Bürokauffrau: „Lieber ein bisschen später Erfahrungen sammeln“

Ich bin eine Ex-ABine. Eigentlich möchte ich lieber Spätzünderin sagen, denn als Absolute Beginner habe ich mich nie definiert. Klar war ich bis vor zwei Jahren völlig unerfahren, aber fünf Jahre meines Lebens habe ich an eine psychosomatische Krankheit verloren, die mir wirklich keinen Nerv gelassen hat, mich zu verlieben oder mich in Sachen Männer auszuprobieren. Wenn ich diese fünf Krankheitsjahre von meiner partnerlosen Zeit abziehe, sind wir bei 21 Jahren. Und in dem Alter halte ich eine Frau noch für eine Spätzünderin. Offiziell gelten zwar alle Unerfahrenen ab 20 schon als ABs, aber ich finde das zu früh. Wenn ich so in die AB-Foren im Internet schaue, haben es in den vergangenen Monaten viele Mitglieder bis zu ihrem 25. Geburtstag Weiterlesen

Absoluter Beginner sein – wie fühlt sich das an?

Heute bekam ich folgende seriöse Medienanfrage von einer Redakteurin des Magazins Emotion:

Ein Absolute Beginner sein – wie fühlt sich das an? Dieser Frage möchte ich in einem Artikel für eine Frauenzeitschrift nachgehen und bin auf der Suche nach einer Frau über 30 Jahre, die noch Jungfrau ist und mit uns sprechen würde. Der Text wird eine Seite lang sein und soll in der Ich-Form geschrieben sein. Wer also gerne schreibt, kann den Text auch selber formulieren. Ansonsten können wir telefonieren oder ich schicke die Fragen per Mail. Namen und alles weitere können wir anonymisieren. Es geht vor allem um eure Innensicht: Beschäftigt es euch, noch Jungfrau zu sein oder denkt ihr da gar nicht so viel drüber nach? Vermisst ihr körperliche Nähe? Oder seid ihr glücklich, so wie ihr lebt? Geht ihr offen damit um, Jungfrau zu sein? Oder schämt ihr euch manchmal? In welchen Situationen? Wünscht ihr euch mehr Verständnis von euren Mitmenschen oder findet ihr das Thema Sex wird überbewertet? Fragen und alles Weitere gerne per Mail an: marie.sophie.krone@emotion.de.

Sascha (28) Informatiker: „Ich betrachte meine Beziehungslosigkeit als Behinderung“

Ich mache mehrere Faktoren dafür verantwortlich, dass ich keine Partnerin finde, und es ist schwer zu definieren, inwiefern sie sich gegenseitig beeinflussen und wo mein Leiden angefangen hat. Der einzige Faktor, der von außen reinspielt, ist die Emanzipation. Ich bin kein Mann, der sagt: „Frauen gehören an den Herd!“ Aber es kann doch keiner leugnen, dass noch vor zehn oder zwanzig Jahren viele Paare zusammenfanden, weil Männer und Frauen nur ein einziges Bild von einer Beziehung vermittelt bekamen: Der Mann war der Versorger, die Frau kümmerte sich um Kinder und Haushalt. Die Emanzipation hat mit diesem Bild gebrochen, was gut ist, uns aber auch mit einigen inkonsequenten Folgeerscheinungen zurückgelassen hat. Einerseits denken Frauen jetzt, was völlig in Ordnung ist, an ihre eigenen Karrieren, sind nicht länger auf die Männer als Versorger angewiesen und gehen ihre eigenen Wege. Andererseits retten sie die Emanzipation aber nicht mit hinüber ins Beziehungsleben. Da kommt kaum eine Frau auf die Idee, mal den ersten Schritt zu wagen. Da suchen sie nach den alten Mustern einen dominanten Mann, der das schon alles in die Wege leitet. Erfahren soll er sein und auf gar keinen Fall psychisch angeknackst. Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

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