Nadine, 41, Hardcore-ABine: „Warum findet die blöde Kuh jemanden und ich nicht?“

Ich lebe in einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein und unterscheide mich auf den ersten Blick nur wenig von anderen. Ich sehe normal aus, bin wahrscheinlich normal intelligent und gehe einer normalen Arbeit nach; meine Besonderheit ist eigentlich „nur“ das Leben als ABine.

Wo fängt meine Geschichte an? Wo liegen die Wurzeln des AB-Seins? Ich war schon früh eine Außenseiterin, nicht zuletzt bedingt durch eine katastrophale Ungeschicklichkeit. Zwei linke Hände, zwei linke Füße. Dadurch kamen viele Aktivitäten nicht in Frage, die für die meisten Leute alltäglich sind. Radfahren, Tanzen, Ballspielen, Schlittschuhlaufen – alles fiel flach. Die einzige mit einer 4 oder 5 in Sport, später die einzige, die zwei Mal durch die Fahrprüfung rasselte. Natürlich blieb ich beim leidigen Mannschaftenwählen immer übrig, nahm es aber nicht persönlich. Ausgelacht wurde ich glücklicherweise nur sehr selten. Aber ich konnte eben kaum etwas wirklich mitmachen, und das schränkte die Kontaktmöglichkeiten erheblich ein. Also blieb eigentlich nur ein Hobby übrig – nämlich zu Hause sitzen und lesen!

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Sonja (47), erste Partnerin eines langjährigen ABs: „Gerade seine Zurückhaltung gefiel mir so gut“

Ich bin Sonja und 47 Jahre alt. Ich habe meinen heutigen Freund, 46 Jahre alt, im Sommer 2015 im Zuge meines Hausumbaus kennengelernt. Denn er war einer der Handwerker. Ich hatte gerade eine für mich sehr traumatische Beziehung und Trennung hinter mir. Von daher war ich nicht wirklich an einer Beziehung interessiert. Aber dieser Handwerker wirkte dennoch irgendwie sehr anziehend auf mich. Dieser Handwerker gefiel mir gerade deswegen so gut, weil er so zurückhaltend war und überhaupt nicht aufdringlich. Optisch hat er mich natürlich auch in seinen Bann gezogen. Aber seine immer freundliche und zurückhaltende Art war genau das, was mir an ihm so gut gefiel. Ich habe relativ schnell vermutet, dass er wahrscheinlich noch keinerlei Beziehungen hatte. Dies schreckte mich aber überhaupt nicht ab. Manchmal ist das Leben so, dass sich einfach nichts ergibt. Davon bin ich fest überzeugt. Gerade dann, wenn man kein so wahnsinnig großes Selbstwertgefühl hat oder früh Zurückweisungen erlebt und schlechte Erfahrungen gemacht hat.Dann reichen ja schon kleinste Zurückweisungen und man traut sich nicht mehr.
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Anna (32), Architektin: Mein Umzug in eine WG war der Wendepunkt

Ich habe den Begriff Absolute Beginners vor ein paar Tagen das erste Mal gehört. Ich gehörte aber vor 9 Jahren zu den ABs und die Erinnerung ist immer noch schmerzhaft. Noch immer schäme ich mich zu erzählen, dass mein jetziger Partner mein erster ist. Ich war 24, als wir ein Paar wurden. Damals konnte ich außer einem ungenießbaren Kuss keine Erfahrung vorweisen.

Mein AB-Sein hat angefangen wie bei vielen anderen bestimmt auch. Ich hatte schon immer Schwierigkeiten, mich in Gruppen zu integrieren. Ich hatte immer 2-3 gute Freundinnen, aber mit Jungs zu sprechen, führte bei mir schon immer zur größten Verlegenheit. Ich hielt mich für langweilig und wusste nicht, worüber ich mit ihnen reden könnte. Dieses Gefühl, dass ich mein Gegenüber langweile, habe ich übrigens auch bei „coolen” Mädels. Wahrscheinlich spielt dabei mein Elternhaus eine Rolle: Mit meinem Vater ein Kontakt, der von Angst und dem Zwang, seine Erwartungen zu erfüllen, gekennzeichnet war. Mein Vater trat bei Konflikten immer den Rückzug an und sprach mit niemandem offen über Gefühle. Und ich habe eine Mutter, für die das allergrößte Maß war, was andere von uns denken. Hinzu kam eine über 5 Jahre andauernde Trennung der beiden ab meinem sehr sensiblen Alter von 11-12 Jahren. Sie hat aus mir, einer ein bisschen unbeholfenen Mitschülerin, eine richtige, ab und zu sogar gehänselte Außenseiterin gemacht, die sich aus Scham von den anderen fernhielt. Meine zwei besten Freundinnen erfuhren erst nach 5-6 Jahren von der Trennung. Meinem Partner gegenüber habe ich sie im 7. Jahr beiläufig erwähnt. Es war mir völlig unbewusst, wie stark ich die Sache heute noch verschweige.

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Christian (33), Jurist: Wie ich ein Ex-AB wurde (und jemand anders auch)

Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich hier im Blog meine Geschichte als schwuler Absolute Beginner veröffentlicht und mit mehreren engen Freunden geteilt. Einer davon arbeitete in einer Zeitschriftenredaktion und so kam es, dass ich im November 2016 Deutschlands größter Schwulenzeitschrift ein Interview gegeben habe (wobei der mich befragende Redakteur mein Problem wohl nicht verstanden hat). Meine Geschichte war plötzlich nachzulesen. Ich habe abgewartet, ob irgend etwas passiert. Ob vielleicht die Medien das Thema aufnehmen, ich zufällig meinen Traummann kennenlerne oder ich einfach eines Tages aufwache und kein AB mehr bin. Und irgendwie versucht, mein Leben weiterzuleben.

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Neuer Videobeitrag über Absolute Beginners im ZDF: Jan, 40: „Am meisten leide ich Weihnachten“

Die Sendung „Volle Kanne“ im ZDF hat sich mit dem Thema Absolute Beginners auseinander gesetzt. Schaut euch das mal an, wie findet ihr den Beitrag (Per Klick wird das Video bei Facebook gestartet)?

Insgesamt nimmt der Beitrag die Betroffenen ernst, das ist gut. Aber mich stört die belustigt-naive Stimme der Sprecherin, die über Absolute Beginners redet, als würde sie irgendeine Anekdote erzählen. Es sind auch ein paar seltsame Aussagen im Beitrag drin: Weiterlesen

Hugo, 40, in der Psychiatrie tätig: „Erfülltes Leben wäre zu hoch gegriffen“

Unerfahrenheit wird schnell gleichgesetzt mit Einsamkeit. Dabei muss ein Unerfahrener nicht zwangsläufig einsam sein. Ich bin nicht einsam. Ich habe unerfüllte Sehnsüchte. Und ich will natürlich auch nicht behaupten, dass ich es schön finde, der einzige zu sein, der nach einem lustigen Abend mit Freunden allein nach Hause geht, während sich alle anderen zu zweit auf den Weg machen. Aber das lässt mich nicht verzweifeln. Nicht mehr.

Umgekehrt spreche ich auch nicht gern von einem „erfüllten“ Leben, das ist mir dann doch zu hoch gegriffen. Ich führe ein Leben, mit dem ich zufrieden sein kann. Ein Leben mit einem stabilen Freundeskreis, der viel auffängt und in dem ich ein wichtiger Bestandteil bin. In dem meine Unerfahrenheit kein Thema ist, außer wenn ich doch mal mit einer Frau gesehen werde. Dann gibt es immer ein großes Geplapper. Aber sonst: Wenn ich allein komme, komme ich eben allein. Wir kochen zusammen oder spielen Gesellschaftsspiele, einige meiner Freunde kenne ich auch aus dem „Weltladen“, wo wir mit 30 Leuten völlig unterschiedlichen Alters ehrenamtlich fair gehandelte Produkte verkaufen. Ich vergrabe mich nicht zu Hause, ich komme unter Leute und lerne auch immer mal wieder neue kennen, Bekannte von Freunden, Freunde von Bekannten, nur eine Frau für mich war bisher noch nicht dabei.

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Christian (30), Jurist: Ein schwuler AB erzählt

Das Internet kennt inzwischen etliche Geschichten von Absolute Beginners jeden Alters und aus allen Berufen und Gesellschaftsschichten. Nur eine Gruppe kommt irgendwie nicht vor: die Schwulen. Woran liegt das? Bin ich der einzige schwule AB? Habe ich doppelt was falsch gemacht? Ist meine Geschichte so einzigartig? Bei uns Schwulen kommt zum Thema Beziehung ja immer noch das Thema Coming Out dazu. Wir müssen nicht nur irgendwann irgendwo anfangen, sondern uns auch vorher klarmachen, dass wir das nicht dort können, wo es die große Mehrheit tut. Ist diese Situation nicht geradezu geschaffen dafür, den Anschluss zu verlieren? Eben dazu hätte ich gerne etwas gelesen, mich mit Leidensgenossen verglichen und ausgetauscht. Aber ich habe keine gefunden. Vielleicht traut sich keiner. Vielleicht muss jemand den Startschuss machen. Ich hoffe, die Hetero-Leser verzeihen mir, wenn sie sich nur teilweise in meiner Geschichte wiederfinden können –  das ging mir umgekehrt natürlich auch so, wenn ich ihre Geschichten gelesen habe.  Ich danke Maja Roedenbeck, die mich eingeladen hat, meine eigene Geschichte zu erzählen. Das ist sie.

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Lara (28), Bürokauffrau: „Lieber ein bisschen später Erfahrungen sammeln“

Ich bin eine Ex-ABine. Eigentlich möchte ich lieber Spätzünderin sagen, denn als Absolute Beginner habe ich mich nie definiert. Klar war ich bis vor zwei Jahren völlig unerfahren, aber fünf Jahre meines Lebens habe ich an eine psychosomatische Krankheit verloren, die mir wirklich keinen Nerv gelassen hat, mich zu verlieben oder mich in Sachen Männer auszuprobieren. Wenn ich diese fünf Krankheitsjahre von meiner partnerlosen Zeit abziehe, sind wir bei 21 Jahren. Und in dem Alter halte ich eine Frau noch für eine Spätzünderin. Offiziell gelten zwar alle Unerfahrenen ab 20 schon als ABs, aber ich finde das zu früh. Wenn ich so in die AB-Foren im Internet schaue, haben es in den vergangenen Monaten viele Mitglieder bis zu ihrem 25. Geburtstag Weiterlesen