Lucy (26), Mitarbeiterin in einem Pharmazieunternehmen: „Es ist wie die Sehnsucht nach dem Meer“

Gelitten habe ich unter meiner Situation noch nie, aber mit jedem Jahr, das ich älter werde, kann ich noch ein bisschen besser damit umgehen. Meine Situation, das heißt: Ich habe geküsst und Petting erlebt, aber ich bin noch Jungfrau. Ich bin mit Jungs gegangen, aber nie in einen von ihnen verliebt gewesen. Natürlich habe ich manchmal so meine Anwandlungen. Bin traurig, weil ich keinen Partner habe, mit dem ich mein Leben teilen kann. Torschlusspanik ist das richtige Wort. Und Angst ist das richtige Wort für das Gefühl, das mich erfüllt, wenn ich manchmal daran denke, dass ich im Alter vielleicht ganz allein sein werde. Aber jetzt ist es bequem, beziehungsfrei zu sein. Mein böser Geist grinst immer in sich hinein, wenn Freunde mir von den Desastern in ihren aktuellen oder vorherigen oder gewünschten oder was auch immer für Beziehungen erzählen. „Davor hast du deine Ruhe!“, gratuliert er mir dann.

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Geheimtipp von AB-Coach Klaus Schorn: Sich selbst als sexuelles Wesen akzeptieren

In Teil 1 unseres Interviews hat Klaus Schorn, Heilpraktiker und AB-Coach aus Offenburg, erklärt, wie bei ihm ein AB-Coaching funktioniert. In Teil 2 ging es um den Selbstschutzmechanismus bei Unerfahrenen. In Teil 3 wollen wir nun wissen, ob so genannte Kuschelpartys das Richtige für Absolute Beginners sind, um sich an die körperliche Nähe mit anderen Menschen heranzutasten.

Herr Schorn, was ist eine Kuschelparty und ist das das Richtige für ABs?

Eine Kuschelparty ist eine Veranstaltung, wo Menschen nichtsexuelle körperliche Nähe genießen können. Es gibt einen schönen Raum, in der Regel zwei Leiter, die durch den Abend führen und eine überschaubare Zahl von Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Zunächst wird der Rahmen erklärt, es gibt Regeln, an die sich alle halten müssen (z.B. kein Sex, niemand tut etwas was er oder sie nicht möchte, vor einer Berührung wird erst gefragt etc). Dann gibt es einige Übungen, die erst vom Kopf in den eigenen Körper führen und dann den Weg bereiten, auch mit anderen Menschen in Kontakt zu gehen. Meist sind das Umarmungen, streicheln oder einfach nur nebeneinander liegen. Das klingt sehr merkwürdig, hinterher sagen aber fast alle Teilnehmer, dass es sich überraschender Weise völlig natürlich und richtig angefühlt hat. Was von allen Teilnehmern erwartet wird, ist:

  • die Fähigkeit, für sich selbst Verantwortung übernehmen zu können, also zu sagen wenn man etwas nicht möchte oder etwas anderes sehr gerne hätte.
  • die Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten.
  • das Beherrschen von ganz grundlegenden Kommunikationstechniken.

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Ehemaliges Forum „Unerfahren“ wurde relauncht und heißt jetzt „Absolute Beginners: introspektiv“

Ich bekam eine Mail von Lion, dem Gründer des ersten AB-Forums im deutschsprachigen Internet, das 1998 an den Start ging (im Buch ab S. 41 findet ihr ein Interview mit ihm): Ich möge euch doch bitte mitteilen, dass das AB-Forum „Unerfahren“ relauncht wurde und jetzt „Absolute Beginners: introspektiv“ heißt. Gerne mach ich das! Nicht nur der Name hat sich geändert, sondern auch die Forenphilosophie wurde überarbeitet bzw. einfach nochmal auf den Punkt gebracht, nachdem in letzter Zeit zunehmend in die falsche Richtung diskutiert wurde. Hier das, was Lion schreibt:

„Das Wort introspektiv bedeutet: „auf dem Weg der Innenschau, der (psychologischen) Selbsterkenntnis“ und drückt aus, um was es im Forum im Wesentlichen gehen soll. Das Forum soll der (gegenseitigen) Hilfe der von Beziehungsunerfahrenheit Betroffenen dienen und eine Möglichkeit bieten, dass sich jede(r) Betroffene intensiv mit der eigenen Problematik auseinandersetzt. Wir, die Macher dieses Forums, begreifen dabei das AB-sein in erster Linie als Weiterlesen

AB-Coach Klaus Schorn: „Manchmal ist Selbstschutz wichtiger als die Erfüllung des Beziehungswunsches“

Im 1. Teil des Beitrags hat Klaus Schorn, Heilpraktiker und AB-Coach aus Offenburg, erklärt, wie bei ihm ein AB-Coaching funktioniert und an welchen Zielen Betroffene dort arbeiten können. Nun folgt Teil 2 des Interviews über den Selbstschutzmechanismus bei Unerfahrenen und Schorns eigene Erfahrungen als Ex-AB.

Herr Schorn, warum ist es wichtig für Betroffene, ein Coaching bei einem Therapeuten zu machen, der sich mit ABs auskennt?

Ich glaube, dass auch Therapeuten ohne AB-Erfahrung gute Arbeit leisten können. Vielen von ihnen ist die Thematik jedoch völlig fremd. Beziehungslosigkeit ist keine Krankheit und wird deshalb in den psychologischen Ausbildungen nicht gelehrt. Der erste Impuls des Therapeuten ist dann auch oft nicht professionell, sondern aus eigener Alltagserfahrung heraus: „Na, Sie sehen doch ganz normal aus, Sie müssen einfach mehr unter Menschen, dann klappt das schon.“ Da braucht es dann einige Erklärungen, dass es so einfach eben nicht ist. Dass z.B. nach vielen Enttäuschungen der Selbstschutz wichtiger werden kann als die Erfüllung von Wünschen. Das ist ein Umweg, der bei einem Therapeuten oder Coach wegfällt, der mit dem Thema vertraut ist.

Gibt es auch Fälle, in denen der klassische Therapeut die bessere Wahl ist?

Nur falls schwere psychische Beeinträchtigungen vorliegen, ist eine klassische psychotherapeutische oder psychiatrische Begleitung erst mal sinnvoller. Eine akute Depression ist z.B. kaum der Zustand, wo man in Liebesdingen zu neuen Ufern aufbrechen kann.

Auf Ihrer Website outen Sie sich selbst als Ex-AB – wie war das bei Ihnen mit der langjährigen Unerfahrenheit und wie konnten Sie diese schließlich durchbrechen?

Ich war als Kind vorsichtig bis ängstlich dem Leben gegenüber. Neue Situationen überforderten mich, ich suchte Halt in der Routine. Das hielt sich lange und vertrug sich natürlich nicht gut mit Flirten, Lust und Sinnlichkeit. Die katholische Kirche hatte außerdem gute Arbeit bei mir geleistet, einen entspannten Zugang zur Lust zu verhindern. So verpasste ich den Anschluss. Ich war so vorsichtig den Frauen gegenüber, dass ich öfters vorsichtig gefragt wurde, ob ich schwul sei. Die Sehnsucht nach den Frauen war aber definitiv da! Was also tun?

Ich ging zu einer Prostituierten, um endlich meine Jungfräulichkeit los zu werden. Das war ein spannender, sehr angenehmer Abend, nur fühlte ich mich danach immer noch als Jungfrau. Ich hab damals lieber geschrieben als geredet. Also nutzte ich die Bekanntschaftsanzeigen in der Zeitung. Das führte sogar zu einigen Treffen, die allesamt nicht über ein, zwei mal Kaffeetrinken hinaus gingen, wenigestens aber schöne Nachmittage brachten. Und dann ergab sich ein Kontakt, der ein halbes Jahr lang nur per Telefon lief. Als wir uns dann endlich gegenüber standen, funkte es ziemlich schnell. Ich gestand ihr meine Unerfahrenheit, sie reagierte freundlich aber reserviert: „Das will frau nicht, denn den lernst du an und dann ist er weg!“ Das war bitter. Ich nahm allen Mut zusammen, ging am nächsten Tag trotzdem noch mal hin, hatte Blumen dabei, küsste sie irgendwie (ich hatte das vorher an meiner eigenen Hand ausprobiert…) und dann geschah es, dass wir doch im Bett landeten. Das klappte dann überraschend gut. Die Beziehung hielt nicht lange, aber der Bann war gebrochen. Hätte dieses Mädchen damals abfällig oder verächtlich reagiert weiß ich nicht, ob ich mich noch mal irgendwann getraut hätte.

Da scheint es mir doch sinnvoller, wenn man sich selbst vorbereiten kann und nicht nur auf das Verständnis eines anderen Menschen hoffen muss, der vielleicht mit der Situation auch überfordert ist.

AB-Coach Klaus Schorn: „Normalos sind für ABs durchaus einholbar“

Ich liebe Networking und Schneeballeffekte! Nachdem unsere Sendung „Und wer küsst mich?“ bei SWR2-Tandem gelaufen war, meldete sich bei Erotikcoach Monika Büchner, die ich für den SWR2 zu ihrer Arbeit mit Absolute Beginners interviewt hatte, ein Herr, der ebenfalls ein Konzept entwickelt hat, um Absolute Beginners zu einem „normalen“ Liebesleben zu verhelfen: Klaus Schorn, Heilpraktiker und Coach aus Offenburg. In einem Interview in mehreren Teilen stelle ich ihn euch hier im Blog vor.

Herr Schorn, Sie bieten ein Coaching für ABs an – wie funktioniert das, was kostet das, wie lange dauert das, was ist das Ziel?

Das Ziel ist, dass ein AB die Fähigkeiten, die ihm mangels Erfahrung noch fehlen, in geschütztem Rahmen nachholen und üben kann.

In Ihrem Buch taucht das Bild auf, dass man, wenn man Klavierunterricht nimmt, üben sollte, bevor man auf eine große Bühne geht, und dass es mit Liebe und Sex ganz ähnlich sei. Ich glaube, die Realität des partnerschaftlichen und sexuellen Miteinanders ähnelt eher dem Gitarrenspiel, wo die meisten Hobbymusiker sich mit ein paar Akkorden und überschaubarem Aufwand ganz ordentlich durchwurschteln. Die ‚Normalos‘ sind größtenteils auch keine Ausnahme-Virtuosen in Sachen Kommunikation. Also durchaus einholbar für einen Absolute Beginner.

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Annalena (35): Mein Date mit einem Absolute Beginner

Ich hatte mich in einer Kneipe mit dem Mann verabredet, der offenbar an mir interessiert war, weil ich innerhalb kürzester Zeit gerade zwei Trennungen hinter mir hatte. Ich war offen für alles, eine neue Beziehung, vielleicht auch nur eine schöne Nacht. Nachdem die anderen beiden Typen, eine längere Beziehung und eine kurze Affäre, mein Selbstbewusstsein arg angeknackst hatten, hätte es der Mann ziemlich einfach gehabt, mich für sich zu gewinnen. Was ich wollte, waren ein paar Komplimente, das Gefühl, begehrt zu werden, etwas Besonderes zu sein, Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. Ich hatte solche Sehnsucht nach körperlicher und seelischer Nähe, dass ich auf die kleinste Geste, die kleinste Nettigkeit angesprungen wäre. Aber das ist ja dann nach hinten losgegangen.

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Freitag, 25. Juli: Thema ABs in SWR2-TANDEM

Ich hatte euch ja schon erzählt, dass ich im März in Frankfurt war, um ein Interview mit Ex-AB Marcus und Erotikcoach Monika Büchner aufzuzeichnen, und hatte euch auch schon als kleinen Vorgeschmack zwei O-Töne daraus hochgeladen. Jetzt steht der Sendetermin für die komplette Sendung fest: Freitag, 25. Juli 2014 um 10.05 Uhr in SWR2-Tandem:

Und wer küsst mich? Wenn Menschen über 30 noch nie Sex hatten – Maja Roedenbeck im Gespräch mit Marcus B. und seiner Beraterin Monika Büchner

Marcus hat einen sicheren Arbeitsplatz, interessiert sich für Fußball und Literatur, ist sportlich, kommunikativ und auch nicht unattraktiv – trotzdem hatte er bis zu seinem 36. Lebensjahr noch nie eine Freundin. So wie ihm geht es einer geschätzten Dunkelziffer von einer bis zwei Millionen Männern und Frauen in Deutschland. Die Sendung begleitet Marcus zu Sexualberaterin Monika Büchner, die versucht, mit Körperarbeit, Flirtübungen und Gesprächstherapie sogenannten Absolute Beginners wie ihm zu einem Liebesleben zu verhelfen.

Sie Sendung ist bis 2019 online auf der SWR2-Seite anhörbar. Ich bin gespannt auf euer Feedback!

Buchverlosung „Männliche Absolute Beginner“

MABsEndlich ist das Verlosungsexemplar eingetroffen, das ich für euch organisiert habe!

Wer möchte das Buch „Männliche Absolute Beginner“ (Affiliate Link) von Robin Sprenger gewinnen, über das ich euch schon berichtet hatte?

Schreibt mir einfach per Kommentar, ob ihr glaubt, dass männliche ABs schlimmer/anders leiden als weibliche. Unter allen Einsendern verlose ich das Buch. Bin gespannt auf eure Meinungen!

Interview mit Robin Sprenger über seine neue Studie „Männliche Absolute Beginner“

Vor ein paar Tagen habe ich euch über die neue Studie „Männliche Absolute Beginner – Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit“ berichtet. Weil ich aber keine Wissenschaftlerin bin und die meisten von euch sicher auch nicht, habe ich mir von Autor Robin Sprenger nochmal etwas anschaulicher erklären lassen, welches Experiment mit männlichen ABs er genau gemacht hat, welche Erkenntnisse er dabei gewonnen hat und ob er sogar neue Wege aus der unfreiwilligen Partnerlosigkeit gefunden hat. Hier ist, was dabei herauskam (alles Weitere könnt ihr in seinem Buch nachlesen):

Können Sie kurz und knackig erklären, welche Ansätze es gibt, um andauernde Partnerlosigkeit zu erklären?

Ich wünschte, das könnte ich. Aber es gibt so viele Perspektiven auf dieses Problem und entsprechend viele Erklärungsansätze, dass ich es nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen kann. In meiner Arbeit habe ich mich auf die Darstellung der wichtigsten Ansätze beschränkt und dafür etwa 45 Seiten benötigt. Wenn ich es jedoch zwingend in wenigen Sätzen erklären müsste, würde ich zwischen strukturellen und individuellen Ansätzen unterscheiden. Strukturelle Ansätze suchen die Gründe der Partnerlosigkeit in äußeren Bedingungen: Sind vielleicht nicht genügend Partner verfügbar? Bestehen nicht genügend Gelegenheiten, um potentielle Partner kennen zu lernen? Gibt es eine gesamtgesellschaftliche Werteentwicklung, die dazu führt, dass die Menschen keine (festen) Beziehungen mehr eingehen wollen? Individuelle Ansätze fokussieren hingegen die einzelne Person und fragen bspw. danach, ob bestimmte Sozialisationsbedingungen oder traumatische Erlebnisse der Grund dafür sein könnten, dass die Partnerlosigkeit andauert. Auch die kommunikativen Verhaltensweisen innerhalb der konkreten Anbahnungssituation spielen eine große Rolle: Spreche ich die Person an oder beschränke ich mich auf das Beobachten aus der Distanz? Wie gehe ich auf jemanden zu, was für eine Körperhaltung nehme ich ein, wie beginne und führe ich ein Gespräch, wie flirte ich?

Wie muss man sich Ihre empirische Studie genau vorstellen?

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Neue Studie zu männlichen Absolute Beginners erschienen

MABs

Druckfrisch liegt die Dissertation des Kommunikationswissenschaftlers Robin Sprenger vor: „Männliche Absolute Beginner – Ein kommunikationswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von Partnerlosigkeit“ (Springer Verlag, 2014, 49,99 Euro). Ein Interview mit Robin Sprenger und eine Buchverlosung bereite ich gerade vor. Ich wollte euch aber die Neuigkeit sofort mitteilen und darum hier erstmal das, was der Autor mir im Wissenschaftsdeutsch über seine Studie schrieb:

Im ersten Teil der Arbeit werden die gängigen Ansätze aus Soziologie, Psychologie und Evolutionspsychologie vorgestellt, mit denen (andauernde) Partnerlosigkeit erklärt werden kann.

Der zweite Teil der Arbeit besteht aus einer empirischen Untersuchung: Weiterlesen